NEWSLETTER No.1
Liebe Leserinnen und Leser,
zu allererst möchte ich Ihnen danken. Sie haben mein Buch "Die neue Medizin der Emotionen" gekauft, Sie sind zu meinen Lesungen auf der großen Deutschland-Reise gekommen, und ich habe bemerkt, dass Sie meine Vorstellungen einer neuen Medizin der Emotionen teilen und stützen.
Ich hatte nicht erwartet, dass Sie sich mit so großem Enthusiasmus diesen Ideen öffnen, die doch so wenig den gewohnten Denkweisen entsprechen. Der Erfolg meines Buches, den ich Ihnen verdanke, resultiert aus dieser Offenheit des Geistes, Ihrer Wissbegierde, Ihrem Wunsch, neue Wege zu erkunden. Ich erkenne mich da durchaus wieder, aber ich wusste nicht, dass wir so viele sind. Das ist mir ein sehr ermutigendes Zeichen, vielleicht gelingt es uns ja gemeinsam, ein Umdenken zu erreichen. Vielleicht können wir unsere Institutionen des Forschungs- und Medizinsektors dahin bringen, sich stärker in diesen neuen und faszinierenden Gebieten zu engagieren.
In all den Ländern, in denen das Buch vertrieben wird und in denen ich Sie, meine Leserinnen und Leser, getroffen habe, waren die Reaktionen zahlreich. Sie tun mir wohl, und Ihr Vertrauen ermutigt mich. In vielen dieser Botschaften erzählen Sie von schwerem Leiden, das Sie ertragen oder ein Ihnen nahe stehender Mensch, und Sie bitten mich um Hilfe. Jede dieser Botschaften spricht mich direkt an, und am liebsten würde ich Ihnen helfen, aber bei der Menge der Anfragen ist mir das nicht möglich ( obwohl es ziemlich schwierig ist, jedes Mal wieder "nein" zu sagen...). Ich nehme keine neuen Patienten mehr an, um die karge Zeit, die mir bleibt, für die zu reservieren, die schon vor dem Erscheinen der "Neuen Medizin der Emotionen" bei mir in Behandlung waren. Außerdem möchte ich mir Zeit freihalten, um zu schreiben und um neue Therapeuten auszubilden, die jene Methoden, die ich im Buch beschrei¬be, verbreiten werden.
Ich will versuchen, Ihnen künftig regelmäßig einen Newsletter zu schreiben . Für diesen ersten Newsletter habe ich beschlossen, auf die Fragen einzugehen, die mir am dringendsten erscheinen. Sie betreffen diesmal vor allem die Fettsäure Omega - 3 ; auf die übrigen Themen, die Sie angesprochen haben, komme ich demnächst zurück.
Frage : Können Sie mir TherapeutInnen nennen, die alle die Techniken vermitteln, die Sie in Ihrem Buch beschreiben ?
Leider nein, weder in Deutschland noch übrigens in Frankreich. Im Zentrum für Komplementärmedizin, das ich an der Universität Pittsburgh geleitet habe, hatten sich Mediziner, Psychotherapeuten, Akupunkteure und Ernährungs¬wissenschaftler zusammengefunden, die alle dieselbe Philosophie teilten. Wir entwickelten und evaluierten Ganzheitsprogramme. Ich hoffe, ich kann dazu beitragen, dass solche Zentren auch in Ihrem Land entstehen. Bis es soweit ist, empfehle ich Ihnen, sich in Ergänzung zu den Empfehlungen Ihres behan¬deln¬den Arztes oder Psychiaters selbst um die Organisation Ihrer Behandlung zu kümmern.
Kann man die in "Die neue Medizin der Emotionen" empfohlenen Behand¬lungsmethoden mit konservativen Methoden kombinieren ?
Alle Methoden, die ich im Buch beschreibe, sind ohne Abstriche kompatibel mit einer konventionellen Behandlung, diese muss keinesfalls beendet oder umgestellt werden. Ich habe zum Beispiel selbst viele Patienten mit EMDR behandelt, die ihre Psychoanalyse bei einem anderen Therapeuten fort¬setzten, oder die Medikamente nahmen, die ein anderer Psychiater ihnen ver¬schrieben hatte.
Wie beginnt man ganz konkret eine der Behandlungen ?
Wenn Sie annehmen, dass Sie von EMDR profitieren, rate ich Ihnen, eine/n zertifizierte/n EMDR-Therapeuten/in zu suchen. Dies garantiert Ihnen, dass der Therapeut eine Ausbildung abgeschlossen hat und an einem Supervisionszyklus durch einen erfahrenen Praktiker teilgenommen hat. Zuverlässige Vermittlung und Informationen finden Sie in Internet unter www.emdria.de, in Österreich unter www.emdr.at, in der Schweiz unter www.emdr-schweiz.ch.
Für die Herzkohärenz , die als Technik in Europa noch sehr neu ist, kann ich Ihnen bisher nur empfehlen, an Hatha-Yoga-Kursen teilzunehmen, einer Jahr¬tausende alten Methode, die Techniken der Atemkontrolle und der Kon¬zentration einsetzt, um einen physiologischen Körperzustand zu erreichen, der dem, den ich in meinem Buch beschreibe, sehr vergleichbar ist.
Ihnen allein obliegt es , Ihre Ernährung so zu verändern, dass die Bestandteile an Omega-3 und Omega-6 wieder ausgeglichen sind und die gesättigten tie¬rischen Fettsäuren reduziert werden. Ich schreibe weiter unten mehr über Omega-3.
Jeder kann sich sein individuelles Sport-Programm aussuchen, das den Empfehlungen ent¬spricht, die aus der Wissenschaftsliteratur stammen und die ich in "Die neue Medizin der Emotionen" vorstelle.
Jeder kann sich auch eine Sonnenaufgangssimulations-Lampe besorgen, zum Beispiel über das Internet, um sich auf natürliche Art wecken und bei der Stabilisierung seines Bio-Rhythmus helfen zu lassen.
Schließlich, finde ich, muss sich jeder selbst damit beschäftigen, seine Konflikte mit anderen Menschen besser in den Griff zu bekommen, egal, ob sie privater oder dienstlicher Natur sind. Eine der besten Methoden, in dieser Richtung voranzukommen, ist, mit Freunden oder Bekannten eine Nachdenkgruppe zu gründen, um gemeinsam die Methoden "Q.O.B.-O.G.E." und "ELSE" zu trai¬nieren. Ich mache das übrigens regelmäßig mit ein paar Freunden, um im die¬sem Feld mensch¬licher Beziehungen "zentriert" zu bleiben.
OMEGA - 3
Frage : Wenn ich fit bin, körperlich und geistig, und meine Ernährung reich an Omega - 3 ist, muss ich dann noch Omega-3-Nahrungs¬ergänzungen einnehmen ?
Wenn Sie gut in Form sind, körperlich wie geistig, dann machen Sie so weiter wie bisher ! Wenn zusätzlich Ihre tägliche Ernährung reich an essentiellen Omega- 3 – Fett¬säuren ist (enthalten in Fisch, Krustentieren, grünem Gemüse, Salat, Leinsamen, Leinöl, Nüssen, Rapsöl ) , sehe ich keinen Grund, dass Sie noch zusätzlich Omega- 3 - Nahrungsergänzungen einnehmen sollten. Die Studien zu diesem Thema zeigen, dass diese ausgewogene Ernährung ( die auch als Kreta- oder Mittelmeer-Diät bekannt ist) eine wichtige präventive Wirkung auf das Ent¬stehen der häufigsten Krankheiten wie der Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Ko¬ro¬nare Herzkrankheit, Hypercholesterolämie, und bestimmte Rhythmusstörungen) hat. Diese Ernährung scheint auch einen vorbeugenden Effekt gegen Depression zu haben.
Wie lang, empfehlen Sie, sollte man Omega 3 einnehmen ? Wie lang sollte die Behandlung dauern ? Muss man es sein Leben lang nehmen ? Bis heute reichen die wissenschaftlichen Befunde einfach noch nicht aus, um die¬se Frage vollständig zu beantworten. In empirischen Studien hat man beo¬bachtet, dass sich die Erneuerung der Neuronenmembranen durch Omega-3 inner¬halb von 2 Jah¬ren nach Einnahmebeginn vollzieht und da¬nach die Mem¬branen stabil wirken. Ich glaube, es ist klug, eine Kur von mindestens zwei Monaten zu machen, um zu sehen, ob die Behandlung Wirkung zeigt ( Sie können, bevor Sie mit der Omega-3-Einnahme beginnen, Ihre Symptome mithilfe eines Tests messen, den Sie weiter unten finden, und ihn nach zwei Monaten wiederholen, um eine objektive Messung der Entwicklung Ihrer emotionalen Symptome zu bekommen). Wenn die Behandlung an¬schlägt, empfehle ich, dass Sie sie zwei Jahre lang weitermachen und dann versuchen, sie auszusetzen, aber gut darauf achten, dass Ihre Alltagsnahrung in Bezug auf Omega-3 und Omega-6 ausgewogen bleibt. Wenn die Symptome, an denen Sie vor Beginn der Behandlung gelitten ha¬ben, doch wiederkehren, sollten Sie die regelmäßige Einnahme erneut aufnehmen. Wenn sie ausbleiben, ist das ein sicheres Zeichen, dass die Behandlung und die Verbesserung Ihrer Ernährung ausreichen.
Kontra-Indikationen
Hat Omega-3 Nebenwirkungen ?
Häufigster Nebeneffekt ist ein fischiger Nachgeschmack , manchmal auch ein Aufstoßen. Man kann das vermeiden, indem man ganz einfach die Dosis über den Tag aufteilt, also 2 Kapseln vor jeder Mahlzeit, wenn Sie sechs am Tag nehmen, und sie direkt zu Beginn einer Mahlzeit schluckt.
Manche Leute bekommen beschleunigte Verdauung und suchen mehr als einmal am Tag in Eile die Toilette auf. Manchmal sind die Stühle in der ersten Einnahmewoche weich oder sogar flüssig. Wenn das bei Ihnen so ist, sollten Sie einfach eine oder zwei Wochen lang die Dosis vermindern und erst dann wie¬der auf die volle Portion gehen, um festzustellen, ob der Körper sie jetzt toleriert.
Ganz selten kommt es vor, dass man leichter Hämatome ( " blaue Flecken" ) bekommt, wenn man Omega-3 einnimmt, weil es, wie Aspirin, eine Wirkung auf gewisse Mechanismen der Blutgerinnung ( Bildung von Blutplättchen ) hat. Das wird im allgemeinen als nützlich angesehen ( wie Aspirin vermindert Omega-3 das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko ), aber es kann für Menschen, die zur Bildung von Hämatomen neigen oder Blut verdünnende Medikamente ein¬neh¬men, zum Problem werden.
Gibt es Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten ?
Omega-3 hat als einzige Wechselwirkung die mit den Blutverdünnern, die sie verstärken. Besprechen Sie deshalb vorher mit Ihrem Arzt, dass Sie Omega-3 einnehmen möchten, und bitten Sie ihn, die Dosierung anzu¬passen. Meist wird er sie, auf der Basis eines Koa¬gu¬lationstests, herabsetzen.
Dagegen sind Omega-3-Fettsäuren hervorragend kompatibel mit psychiatrischer Medikation, etwa mit Antidepressiva ( z.B. Fluctin, Zoloft, Seroxat, mit Lithium oder mit Neuroleptika ( Zyprexa, Haldol z.B.).
Kann man gleichzeitig homöopathische Mittel einnehmen ? Wie ist es mit Johanniskraut ?
Nach meiner Kenntnis gibt es keine Kontraindikation, Omega-3 mit homöo¬pathischen Mitteln oder speziell mit Johanniskraut zu kombinie¬ren. Sie sollten sich sogar in der Wirkung verstärken.
Kann man Omega-3-Kapseln während der Schwangerschaft einnehmen ?
Die dänische Studie, auf die ich in " Die neue Medizin der Emotionen" ver¬wie¬se, zeigt, dass die Frauen, die während ihrer Schwan¬gerschaft viel Omega- 3 in ihrer Ernährung haben, Kinder mit gesundem Geburtsgewicht zur Welt brin¬gen und seltener Frühgeburten haben. Man weiß, dass Omega-3-Fettsäuren enorm wichtig bei der Entwicklung des Nervensystems des Fötus und des Säuglings sind und dass die Frauen, die zu wenig Omega-3 zu sich genom¬men haben, ge¬fährdeter sind, nach der Geburt in eine Schwan¬ger¬schafts¬depression zu fallen. Folglich sehe ich keinen Grund, auf die Einnahme von Omega-3 zu verzichten. Im Gegenteil !
Vitamin-Zusätze
In Ihrem Buch beschreiben Sie die Anregung mehrerer Autoren, Omega-3 mit einer Vitamin-Ergänzung zu kombinieren, mit Vitamin E (höchstens 800 IE), Vitamin C ( höchstens 1 Gramm täglich) und Selen ( höchstens 200 Mikro¬gramm täglich), um eine Oxydation der Omega-3-Säuren im Organismus zu verhindern. Gibt es diese 3 Vitamine auch bereits kombiniert ?
Ich kenne keines auf dem französischen Markt. In USA und England werden sie verkauft, man kann sie sich über das Internet beschaffen. Ich überlasse Ihnen die Auswahl des Produktes.
Beziehen sich die Dosierungen der Vitamine auf ein Gramm Omega-3 ? Muss man sie also verdoppeln, wenn man 2 g Omega-3 einnimmt ?
Die empfohlenen Dosen sind von Ernährungswissenschaftlern so berechnet worden, dass sie die Oxydation der Fettsäuren im Körper reduzieren. Sie hän¬gen nicht von der Omega-3-Dosis ab.
Mein Apotheker hat mir ein Vitamin E - Produkt empfohlen, bei dem jede Kap¬sel 500 mg enthält. Aber er wusste nicht, ob das 800 IE entspricht. Wie viel IE entsprechen 500 mg ? 500 mg Vitamin E entsprechen 750 IE. Die Dosis ist also vollkommen aus¬rei¬chend und die Empfehlung Ihres Apothekers ausgezeichnet.
Ich habe Omega-3 mit Vitamin E gekauft. Besteht die Gefahr einer Überdosierung ?
Wenn Vitamin E bereits in den Kapseln enthalten ist, soll das die Oxydation des Omega-3 während der Lagerung des Produkts begrenzen. Meist ist die Beimengung sehr gering ( in der Größenordnung von 15 mg pro Kapsel, also ungefähr 22 IE ) . Es besteht deshalb also keine Gefahr des Überdosierens.
Man sollte am Tag nicht mehr als 750 mg oder 1000 IE Vitamin E zu sich nehmen. Bei höherer Zufuhr besteht ein Risiko von Blutungen, Diarrhöe, Magen¬schmerzen, Müdigkeit, Erhöhung des Blutdrucks oder Verminderung der In¬fektabwehr. Wenn Sie eines dieser Symptome bei sich bemerken, bespre¬chen Sie Ihre Vitamin E - Dosis mit Ihrem Arzt.
In Ihrem Buch sagen Sie, dass manche Ärzte 200 mcg Selen zusätzlich verschreiben, um die Wirkung von Omega-3 abzusichern. Mein Apotheker hat mich darauf hingewiesen, dass die tägliche Höchstdosis dieser Substanz in der Schweiz gesetzlich auf 50 mcg und in den USA auf 100 mcg beschränkt ist. Handelt es sich um einen Druckfehler im Buch oder irrt mein Apotheker ?
In den USA wird eine tägliche Minimaldosis von 70 mcg Selen für Männer und 55 mcg für Frauen empfohlen. Nach meiner Kenntnis sollten 700 mcg pro Tag nicht überschritten werden ; die meisten Ernährungswissenschaftler empfehlen eine Dosis von 200 mcg täglich, um Oxydationserscheinungen zu redu¬zie¬ren. Diese Dosis von 200 mcg ist in mehreren Studien eingesetzt worden, in denen Tausende Probanden über viele Jahre beobachtet und, meines Wissens, keinerlei toxische Symptome festgestellt wurden. Diese Dosis scheint sogar ganz im Gegenteil die Sterblichkeitsrate bei kardiovaskulären Erkran¬kungen und bei Krebs zu senken. Es handelt sich also nicht um einen Druckfehler. Trotzdem kann es sein, dass Ihr Apotheker etwas weiß , das mir nicht geläufig ist, und ich würde gern diesbezügliche Artikel oder die betreffende Dokumentation lesen, die nicht mit den mir bekannten Quellen übereinstimmen.
Leinsamen
Ich wollte Leinsamen kaufen, aber es gibt braunen und gelben Leinsamen und sie stammen nicht von derselben Pflanze. Welche empfehlen Sie mir ?
Ich habe leider in der Literatur nichts finden können, das einen Aufschluss über einen unterschiedlichen Omega-3-Gehalt ( Alpha-Linolsäure) dieser beiden Leinsamenarten gibt. Ich wüsste gern mehr darüber und würde mich freuen, wenn Sie mir eine verlässliche Quelle angeben könnten. Ich werde diese Information dann den Lesern des Newsletters zugänglich machen.
Wie konsumiert man Leinsamen ? Roh ? Gekocht ? Wie kocht man ihn ?
Ich bin nicht darüber informiert, wie das Kochen oder die Art des Kochens den Gehalt oder die Absorption der Alpha-Linolsäure des Leinsamens beeinflusst. Generell kann es schädlich sein, Öle zu erhitzen, da sich dabei für den Körper schlechte Fettsäuren entwickeln. Essen Sie sie also am besten, wie sie sind, oder gemahlen, was die Aufnahme der Omega-3-Fettsäuren erleichtert. Ich selbst bereite mir jeden Morgen zum Frühstück eine Schale mit einem klein geschnittenen Apfel und einem Soja-Yoghurt und bestreue das mit Leinsamen. Und ich reibe zusätzlich frischen Ingwer darüber, der den Zucker ersetzt.
Bis zum nächsten Newsletter grüsse ich Sie herzlich !
David Servan-Schreiber
NEWSLETTER No. 2
Liebe Leserinnen und Leser,
noch einmal möchte ich jedem von Ihnen danke sagen für die Fortsetzung dieses unglaublichen Abenteuers, das der Erfolg von "Die neue Medizin der Emotionen" für mich darstellt. Dieser unerwartete Erfolg kommt von Ihnen, Ihrem Wunsch nach neuen Ideen, einem neuen Blick auf die Medizin und durch Ihre Bereitschaft, selbst für die Ausgeglichenheit Ihrer Gefühle zu sorgen. Ich glaube, in allen westlichen Gesellschaften erleben wir gerade eine sehr grundsätzliche Bewegung : Überall wird verlangt , dass die Industrie die Umwelt respektiert, dass die Landwirtschaft die Erde respektiert und , jetzt gerade ganz aktuell , dass die Medizin die Selbstregulierungsmöglichkeiten des Körpers respektiert. Sie, liebe Leserinnen und Leser, sind es, die diesen gesellschaftlichen Wandel herbeiführen, und ich bin froh, zu denen zu gehören, die helfen können, diese Energie richtig zu kanalisieren. Für diesen zweiten Newsletter habe ich Fragen ausgesucht, die mir besonders dringlich erscheinen. Sie betreffen vor allem EMDR. Ich werde in den nächsten Ausgaben auf andere Themen, die Sie auch angesprochen haben, zurück¬kommen. Sie haben auch viele Fragen zu Zwangsstöungen gestellt. Die Methoden, die ich in "Die neue Medizin der Emotionen" beschreibe, sind diesbezüglich nicht speziell in Studien überprüft worden. Generell lässt sich sagen, dass eine bessere Selbstkontrolle der Stressreaktionen auch diese Symptome reduzieren kann, aber es handelt sich nicht um eine wirkliche Heilung. Möglicherweise wirken die essentiellen Omega-3 - Fettsäuren auch in diesen Fällen gut, aber ich kenne bisher keine Studie, die versucht hätte, diese Fragen zu beantworten.
Herzliche Grüsse, David Servan-Schreiber
EMDR
( = Eye Movement Desentization and Reprocessing)
Wie läuft eine EMDR-Therapiestunde ab ?
Traumatisierende Erfahrungen werden im Gehirn gespeichert, mit allen Bil¬dern, Geräuschen, Gedanken und Gefühlen, die sie im Moment des Ge¬schehens begleiten. Erlebt eine Person ein Trauma, dann scheint ihr Hirn dieses Erlebnis nicht wie andere Geschehen zu verarbeiten. Folglich werden die Gedanken und die negativen Gefühle des Traumas im Nervensystem " ge¬fangen". Weil das Gehirn diese Emotionen dann nicht bearbeiten kann, sind das Erlebnis und/oder die mit ihm zusammenhängenden Gefühle oft ins Un¬be¬wusste verschoben. Trotzdem macht sich diese Belastung im Nervensystem, im Empfinden und in den Gefühlsreaktionen des Betroffenen bemerkbar.
Die EMDR - Technik bewirkt zwei sehr wichtige Dinge. Zunächst löst sie die Bloc¬kade der Erinnerungen und der negativen Emotionen, die im Ner¬ven¬system gespeichert sind, dann hilft sie dem Gehirn, die Erfahrung noch einmal zu bearbeiten, ihm durch Information bei der "Verdauung" zu helfen.
Der Therapeut arbeitet sehr behutsam mit seinen Patienten, begleitet sie Schritt für Schritt bei einer neuen Begegnung mit dem traumatischen Ge¬schehen. Wenn die Erinnerung wieder erweckt ist, erleben die Patienten diese Eindrücke und Emotionen auf neue Weise mit allen Sinnen noch einmal. Durch EMDR spüren und verstehen sich die Patienten selbst ganz anders, was sie wieder handlungsfähig macht, anstatt sich ihren Reaktionen gegen¬über hilf¬los zu fühlen. Das kann ein sehr komplexer Prozess sein, wenn viele Er¬lebnisse mit diesen negativen Emotionen verknüpft sind. Die EMDR-Sitzungen werden deshalb so lange fortgesetzt, bis die Erinnerungen und die trauma¬tischen Gefühle verschwunden sind.
Indikationen
Kann EMDR Phobien heilen ? Agoraphobie ? Panikattacken ?
Leider sind die Studien, die die Behandlung mit EMDR bei Phobien, Panikattacken und Agoraphobie untersucht haben, nicht schlüssig. Das beruht zum Teil auf methodischen Begrenztheiten der verschiedenen Studien, es kann aber auch sein, dass EMDR bei diesen Erkrankungen nicht wirkt. De Jong, Ten Broeke und Renssen ( 1999) urteilen, dass EMDR vor allem bei traumatischen Erinnerungen und Störungen, die mit ihnen zusammenhängen, wirksam ist. Möglicherweise hilft EMDR besonders gut bei der Behandlung von Problemen, die aus dem Stress resultieren, der einer traumatischen Erfahrung folgt ( zum Bei¬spiel bei einer Hunde-Phobie nach einem Hundebiss ), und weniger bei denen, deren Auslöser man nicht kennt ( zum Beispiel bei Schlangenangst von Geburt an ) . Der klinische Nutzen spielt eine wichtige Rolle in der Wahl einer Therapie. Ärzte, die in ihrer Praxis keinen Zugriff zu den phobisch besetzten Objekten haben ( z.B. zu Spinnen), sollten keine In-vivo-Exposition machen ; gleiches gilt für Phobien, die auf ganz spezielle Ereignisse begrenzt sind ( z.B. Gewitter ), oder an bestimmte Orte gebunden ( z.B. Brückenangst ) . EMDR kann wesentlich einfacher angewandt werden als eine Exposition in vivo, und der In-Vivo-Aspekt kann als Ergänzung der therapeutischen Arbeit noch hinzu¬gefügt werden (De Jongh et al., 1999).
Drei Studien haben die EMDR- Behandlung mit und ohne Agoraphobie un¬ter¬sucht. Die beiden ersten waren Vorstudien (Feske und Goldstein, 1997 ; Goldstein und Feske, 1994 ) und sahen eine kurze Behandlung ( sechs Sitzungen) bei Panikattacken vor. Die Ergebnisse waren viel versprechend, aber beschränkt durch die kurze Behandlungsdauer. Feske und Goldstein schreiben : " Selbst 10 bis 16 sehr wirksame Sitzungen haben selten eine Nor¬malisierung der Symptome zur Folge, vor allem, wenn sie durch eine Ago¬raphobie noch erschwert werden." Die Wirkung von EMDR hielt im Durch¬schnitt ohne Nachbehandlung mehrere Wochen lang an. Die dritte Studie ( Gold¬stein und andere, 2000 ) evaluierte die Wirkstärke nach längerer Behandlung bei Patienten mit Panikattacken und Agoraphobie . Diese haben von EMDR nicht profitiert. Goldstein (nach Shapiro, 2001) meint, dass sie eine längere Vorbereitungszeit brauchten als die in der Studie vorgesehene, um zunächst einmal eine bessere Stress-Toleranz entwickeln zu können. Die Autoren schlussfolgern, dass EMDR bei Panikkrisen mit oder ohne Agoraphobie wohl nicht so wirkungsvoll ist wie die kognitive Verhaltenstherapie. Es gibt aber bisher keine Studie, die beide Behandlungsmethoden direkt vergleicht.
Kuriert EMDR psychische Probleme ? Schizophrenie ? Demenzen ?
EMDR ist vor allem bei der Symptombehandlung eines oder mehrerer trauma¬tischer Erlebnisse angebracht. Manche Ängste oder Selbstwertverluste hän¬gen direkt mit einem oder mehreren Traumata zusammen. Diese Symptome sprechen gut auf EMDR an. Brown, McGoldrick und Buchanan ( 1997 ) haben zum Beispiel erfolgreiche Remissionen in fünf von sieben Fällen beobachtet, in denen es um Körperbildprobleme ging ( zu dick, zu große Nase...) . In einer bis drei EMDR- Sitzungen wurden die traumatischen Erinnerungen behandelt, mit denen das Wahrnehmungsproblem zusammenhing. Es gibt auch Berichte über die Heilung von Phantomschmerz der Glieder nach einer EMDR- Behandlung der ätiologischen Erinnerung und des Schmerzgefühls ( Vander¬laan, 2000 ; Wilensky, 2000 ; S.A. Wilson, Tinker, Becker,Hofmann &Cole, 2000 ).
Schizophrenie und Demenzen können mit EMDR nicht behandelt werden. An¬de¬rerseits kann EMDR als Zusatzbehandlung bei adäquat psychiatrisch behandelten Patienten helfen, einige Symptome zu erleichtern, die mit einer emotionalen Traumatisierung zusammenhängen, oder dabei, die Häufig¬keit stressbedingter Rückfälle zu senken.
Es gibt Studien, die auf einen möglichen Nutzen von EMDR bei dissoziativen Störungen hinweisen ( Fine & Berkowitz, 2001 ; Lazrove & Fine, 1996 ; Paulsen , 1995 ) ; bei Sozialphobien ( Foster & Lendl, 1996 ; Maxfield & Melnyk, 2000) ; schweren Schmerzen ( Grant und Threlfo, 2002 ) und Persönlichkeitsstörungen ( z.B. Korn und Leeds, 2002 ; Manfield, 1998 ). Aber ihre Ergebnisse sind noch nicht verlässlich genug, und weitere Untersuchungen sind notwendig, bevor wirklich Schlüsse aus ihnen gezogen werden können.
Woher weiß ich, ob EMDR bei mir funktioniert, bei meinem Problem ?
Zahlreiche Faktoren erlauben eine Vorhersage , ob der Einsatz von EMDR in einer bestimmten Situation oder Patientengeschichte sinnvoll sein kann. Wäh¬rend der ersten Sitzung werden alle diesbe¬züglich wichtigen Faktoren mit dem EMDR-Therapeuten gründlich durchgesprochen, um gemeinsam entscheiden zu können, ob EMDR eingesetzt werden soll oder nicht. Generell könnte man sagen, dass die EMDR-Therapie für Sie geeignet ist, wenn Sie starke und unerklärliche Ängste haben, Opfer sexuellen Missbrauchs sind, Opfer oder Zeuge eines Verbrechens oder schweren Unfalls waren, eine Naturkatastrophe überlebt haben, unter einem Trauma leiden und Probleme haben, anderen zu vertrauen. Auch wenn Sie Angst vor Einsamkeit haben, sich häufig schuldig fühlen, irrationale Wutanfälle oder ein schlechtes Selbstbild Ihre Beziehungen beeinträchtigen, sollten Sie EMDR in Betracht ziehen.
Wie läuft eine EMDR-Sitzung ab ?
Analog dazu, wie EMDR das Gehirn bei der natürlichen Bearbeitung von Gefühlen unterstützt, unterstützt der EMDR- Therapeut den Patienten in sei¬nem Heilungsprozess. Er wird quasi sein Partner auf einer gemeinsamen Reise, auf der sie versuchen, das Trauma aus der Vergangenheit, das im Patienten blockiert ist , auszulöschen.
Zu Beginn einer EMDR-Sitzung hilft der Therapeut dem Patienten dabei, sich auf sein Problem oder das Ereignis zu kon¬zentrieren, dem die Behandlung dienen soll. Während die traumatisierenden Gedanken und Gefühle der Ver¬gan¬genheit wieder ins Bewusstsein aufsteigen, arbeiten Therapeut und Patient daran, durch stimulierte Augenbe¬wegungen die Emotionen zu befreien.
Diese Serien schneller und kurz aufeinander folgender Augenbewegungen( von 30 Sekunden bis zu einigen Minuten) werden so lang fortgesetzt, bis die Gefühle neutralisiert sind und der Patient das vergangene Ereignis in seine Gedanken und positiven Kognitionen einbinden kann, etwa wie " Jetzt wird mir klar, dass das ja gar nicht mein Fehler war !"
Nach wie vielen Sitzungen kann man mit der EMDR- Behandlung beginnen ?
Das hängt von der Vorgeschichte des Patienten ab, von seiner Fähigkeit zur " Selbstbefriedung ", also seiner Möglichkeit, verschiedene Techniken der Selbstkontrolle einzusetzen, um mögliche Störungen in Grenzen zu halten, die während der Behandlung auftreten können. Der Therapeut muss diese Techniken dem Patienten während der Vorbereitungsphase beibringen. Die dazu benötigte Zeit variiert von Patient zu Patient. In den meisten Fällen beginnt die Behandlung nach drei Sitzungen.
Wie viele EMDR- Sitzungen sind nötig ?
Die Anzahl der notwendigen Sitzungen hängt vom Problem und der indi¬viduellen Geschichte jedes Patienten ab. Studien zeigen, dass ein einfaches Trauma in 80 bis 90 Prozent der Fälle in weniger als drei Sitzungen behandelt werden kann. Selbst wenn nicht jedes einzelne traumatisierende Ereignis separat behandelt werden muss, hängt die Dauer der Therapie von der Komplexität der Krankheitsgeschichte ab. In einer Studie hatten 80 Prozent der Zivilopfer mit multiplen Traumata nach durchschnittlich sechs Stunden Behandlung ( fünf bis sechs Sitzungen von 90 Minuten Dauer) keine Anzeichen von PTSD ( Posttraumatischer Belastungsstörung ) mehr. Eine Studie über frühere Angehörige der Streitkräfte, die Kriegstraumata erlebt hatten, ergab, dass nach 12 Sitzungen 77 Prozent nicht mehr unter ihrem anfänglichen PTSD litten.
Normalerweise dauert eine EMDR- Sitzung 60 bis 90 Minuten. Die Dauer der Sitzung hängt von einer Reihe von Faktoren ab, wie der Art und der Vor¬ge¬schichte des Problems, dem Grad der Traumatisierung, den spezifischen Umständen des speziellen Tages und der Möglichkeit des Patienten, überhaupt längere Sitzungen durchzustehen.
Welche negativen Wirkungen gibt es ?
Wie bei jeder Psychotherapie können sich vorübergehend die Probleme ver¬stärken. Schmerzhafte ungelöste Erinnerungen können wach werden. Man¬che Patienten erleben während einer Behandlung Reaktionen, die weder sie noch der Therapeut vorhersehen konnten, etwa eine stark erhöhte Sensibilität für Gefühle oder Körperempfindungen. Nach der Sitzung kann es zu einer Fortsetzung im Emotionsbereich kommen. Träume, wei¬tere Erinnerungen und andere ungewohnte Empfindungen, die mit dem Erlebnis oder dem aufgerufenen Material zu tun haben, können sich bemerkbar machen. Das ist fast immer ein Zeichen dafür, dass ein Tiefenprozess ausgelöst worden ist.
Muss ich das Trauma so intensiv wie beim ersten Mal wiedererleben ?
Den meisten Patienten ist nur ein Schatten der initialen Trauma- Erfahrung bewusst, andere spüren sie stärker. Im Gegensatz zu vielen anderen Therapien werden EMDR- Patienten nicht zum erneuten Durch¬leben des Traumas aufgefordert, auch nicht während längerer Stimulationsperioden. Wenn bei EMDR eine erhöhte Erregung auftritt, dauert sie höchstens einige Augenblicke und normalisiert sich dann rasch wieder. Wenn dieser Spannungsabbau nicht von selbst geschieht, kann der Therapeut dank seiner Ausbildung dabei helfen. Der Patient hat vor der Behandlung ja auch Techniken erlernt, die ihn in die Lage versetzen, den möglicherweise unerträglichen Stress sofort abzu¬bauen.
Sind die Aufdeckung und anschließende Verbalisierung des Traumas durch den Patienten eine Vorbedingung und /oder eine Konsequenz für die Wirk¬sam¬keit von EMDR ?
Das Entscheidende bei EMDR ist die Öffnung eines Zugangs zu den körperlichen Empfindungen, die die emotionalen Störungen begleiten, ob es sich nun um Angst oder Depression handelt. Es ist empfehlenswert, aber nicht unerlässlich, eine Erinnerung zum Ausgang der Behandlung zu nehmen. Man kann sie aber auch bei einer aktuell schwierigen Belastungssituation beginnen und von da aus weitergehen, ohne jemals die originäre Erinnerung zu aktivieren.
Wenn sich der Patient überhaupt nicht mehr an das originäre Trauma erinnert, wie geht man dann technisch vor und wie wirkungsvoll ist diese Technik ?
EMDR geht vom Prinzip aus, dass alle Erinnerungen im Gehirn miteinander vernetzt sind. Ein traumatisches Erleben, das sich akut ( durch negative Gedanken über sich selbst, unangemessene Emotionen, unangenehme körperliche Empfindungen ) manifestiert, ist mit Erinnerungen und Erfahrungen der Vergangenheit verbunden. Aber diese Verbindungen sind nicht notwendigerweise bewusst oder in Worte fassbar. Deshalb ist es möglich, im Lauf der Behandlung zu Erinnerungen aus der Vergangenheit vorzustoßen, die vor allem körperlich gefühlt, aber nicht mit Worten erzählt werden können.
Ist EMDR eine "Abkürzung" , die dem Patienten die langwierige Intro¬spek¬tionsarbeit ( Psychoanalyse ) erspart, wenn er sich von seiner Pathologie befreien möchte ?
Genau das ist der Fall. EMDR scheint tatsächlich eine "Abkürzung" zu bieten. EMDR löst Symptome auf, die von vergangenen Erlebnissen herrühren und nie vom Nervensystem " verdaut " worden sind. Dagegen ersetzt EMDR aber nicht die psychoanalytische Arbeit für diejenigen, die eine tiefere, weiter reichende Selbsterkenntnis anstreben. Die beiden Therapieformen sind deshalb gewinn¬bringend parallel einsetzbar.
Ich habe mich belesen und bin auf kontroverse Ausdeutungen dieses Themas gestoßen. Besonders eine Meta-Analyse scheint die Unwirksamkeit der EMDR - Behandlung zu belegen (Davidson PR, Parker KC, J Consult Clin Psychol 2001, Apr 69:2, 305-16). Ihre Kommentare zu dieser Kontroverse ?
Es gibt drei Meta-Analysen, die eine bemerkenswerte Wirksamkeit des EMDR schlussfolgern (Van Etten und Taylor, 1998 ; Sack et al, 2001 ; Maxfield et al., 2002), und eine, die zum gegenteiligen Resultat kommt ( die, die Sie anführen – Davidson et al.) Wie immer, wenn eine neue Behandlungsform in die Me¬dizin eingeführt wird, deren Wirkmechanismen man noch nicht kennt, gibt es legitimes Misstrauen und erkleckliche Skepsis, die überwunden werden müssen. Aber aus meiner eigenen und der Erfahrung meiner zahlreichen Kollegen, die mit EMDR arbeiten, bin ich absolut von seiner Wirksamkeit und seiner Bedeutung für die zukünftige Psychiatrie überzeugt. Trotzdem muss der wissenschaftliche Überprüfungsprozess fortgesetzt werden, der die per¬sön¬liche Überzeugung mit größerer Objektivität überprüft. Und es ist normal, dass in einer wissenschaftlichen Debatte von den For¬schern verschiedener Schulen gegensätzliche Positionen verteidigt werden. ( In den zwanziger Jahren, als die Debatte über die Quantenphysik durch Europa tobte, fragte ein Journalist eines Tages den Professor Heisenberg, einen der Begründer dieser neuen Wissenschaft, wie lang man wohl warten müsse, bis die großen Physik-Institute der Welt endlich diese Revolution akzeptieren würden. Heisenberg soll ge¬ant¬wortet haben : " Man wird abwarten müssen, bis alle Ordinarien der großen Physik-Lehrstühle emeritiert worden sind." )
EMDR-Therapeuten
Können Sie mir einen EMDR-Therapeuten empfehlen ?
Bitte wenden Sie sich an Dr. Arne Hofmann, per e-mail zu erreichen unter arne.hofmann@t-online.de, oder suchen Sie selbst im Internet, in Deutschland unter www.emdria.de, in Österreich unter www.emdr.at, in der Schweiz unter www.emdr-schweiz.ch.
EMDR-Ausbildung
Bieten Sie selber EMDR-Kurse für Fortgeschrittene an ?
Ich leite mehrere Ausbildungskurse im Jahr und Supervisions¬gruppen für aus¬ge¬bildete Therapeuten. Diese sind ausschließlich Psychiatern, Psychologen und Psychotherapeuten vorbehalten, die bereits die Kriterien des europäischen Psychothera¬peuten-Zertifikats erfüllen. Und ich supervidiere in Frankreich die Organisation der Kurse, die EMDR- Therapeuten anbieten, die sehr erfahren und auf bestimmte Anwendungsgebiete spezialisiert sind, etwa den Einsatz von EMDR bei Kindern.
Könnten nicht Yoga-Lehrer, die Übungen des "Augen-Yoga" vermitteln, die den Augen-Bewegungen des EMDR sehr verwandt sind, ohne manchmal deren Wirkung zu kennen, auch zu EMDR- Kursen zugelassen werden ?
EMDR ist eine Methode der Psychotherapie, keine Körperübung und auch keine Methode, die dem Yoga nahe steht. Yoga-Lehrer haben nicht die spezialisierte Aus¬bildung, Patienten mit psychiatrischen Erkrankungen oder schweren psychischen Störungen zu behandeln. Sie könnten folgenschwere Fehler machen, wenn sie bei solchen Patienten EMDR anwenden. Die ein¬zigen Fälle von Symptomverschlechterung während der EMDR- Behandlung , die sich in der Wissenschaftsliteratur finden, haben sich da ereignet, wo die Therapeuten nicht die gravierenden psychi¬schen Grundprobleme ihrer Patienten bemerkt hatten.
OMEGA- 3
Kontraindikationen
Im ersten Newsletter haben Sie geschrieben, dass die Einnahme von Omega-3 während der Schwangerschaft empfehlenswert sei und dem Embryo wohl tue. Aber auf dem Beipackzettel von Maxepa wird wegen des Fehlens von Tests und klinischen Studien empfohlen, es während der Schwangerschaft und des Stillens nicht zu nehmen. Was soll man davon halten ? Können Sie mir versichern, dass ich nichts ( Missbildung des Embryos...) riskiere , wenn ich, im ersten Monat schwanger, täglich 6 Kapseln Maxepa nehme ?
Die einzige wissenschaftlich erhärtete Information zur Schwangerschaft , über die wir heute verfügen, ist die, dass schwangere Frauen, deren Nahrung mit Omega-3 - Fettsäuren angereichert wurde, ein geringeres Früh¬geburtenrisiko hatten. Mehrere Studien deuten darauf hin , dass die Omega-3-Fettsäuren wichtig sind für die Entwicklung des Nervensystems der Fötus während der Schwangerschaft und der Stillzeit. So wichtig, dass die amerikanische Verbraucherschutz-Agentur, die berühmte Food-and-Drug-Administration, jetzt empfiehlt, Omega-3-Fettsäuren der Baby-Flaschenmilch zuzufügen. Dennoch ist es leider immer unmöglich, jegliche Gefährdung der Gesundheit des Fötus auszuschließen, wenn man während der Schwangerschaft eine höhere Dosis einer biologisch aktiven Substanz einnimmt. Es entspricht deshalb kon¬ser¬va¬tiver Vorsicht und ist ohne Zweifel klüger, eine solche Dosis NICHT einzu¬nehmen, wenn Sie beunruhigt sind, und sich darauf zu beschränken, Ihre ge¬wohnte Ernährung so einzustellen, dass sie reich an Omega-3 ist.
DOSIERUNG
Stimmt es, dass 2 bis 3 Gramm einer Mischung von EPA und DHA ( wie Sie es in Ihrem Buch empfehlen ) einzunehmen 2 bis 3 Gramm Omega-3-Fettsäure zum Beispiel in natürlichen Produkten entspricht ? Andersherum gesagt, wenn ich bei meiner Ernährung 2 bis 3 Gramm Omega-3 berücksichtige, laut Dosierungsvorschlag in Ihrem Buch ( 100 Gramm Makrele entsprechen 2,5 Gramm Omega-3 ) – kann ich dann davon ausgehen, dass ich 2 bis 3 Gramm einer Mischung aus EPA und DHA zu mir genommen habe ?
Beim derzeitigen Stand der Wissenschaft ist es schwer zu sagen, ob 2 oder 3 Gramm Omega-3 aus natürlichen Quellen dieselbe Wirkung haben wie eine gleich hohe Dosis in Form von Nahrungsergänzung. Die Studien, die Omega-3 in der Nahrung quantifiziert haben, lassen die Annahme zu, dass es vor einer ganzen Reihe von Erkrankungen schützt, unter anderem vor Depression. Aber sie sagen nichts darüber, ob eine Anpassung der Ernährung – ohne zusätz¬liche Nahrungsergänzung – ausreicht, um eine bereits bestehende Depression zu behandeln. Diesbezüglich haben wir nur Studien, die zeigen, dass das Supplement effektiv dazu beiträgt, die Symptome der Depression zu verbes¬sern.
Ich habe in einer Öko-Zeitschrift gelesen, dass eine Überzufuhr von Omega-3, ( also Omega-3-reiche Ernährung und zusätzlich viel Omega-3 als Ergänzung) gefährlich sein könnte. Stimmt das ? Die Eskimos, die in Nord-Quebec leben, nehmen am Tag bis zu 16 Gramm Fischöl zu sich, und bis zum heutigen Tag ist an ihnen kein ungünstiger Nebeneffekt beo¬bachtet worden. Ich zumindest weiß nichts davon, aber ich wäre dankbar, wenn Sie mir den Artikel aus dieser Zeitschrift zukommen ließen, damit ich mich vergewissern kann, dass wirklich keine Studie verlässlich das Gegenteil belegt.
Ich wüsste gern, ob Kindern Omega-3 gut tut ? Ab welchem Alter ? Und in welcher Dosierung ?
Ich kenne nur eine Studie, die sich speziell mit Omega - 3 und Kindern befasst. Sie zeigt, dass eine tägliches Supplement von 190 g EPA ( Eicosapentaensäure) und 490 mg DHA ( Docosahexaensäure) ( in Kombination mit Gamma-linolensäure und sogar ein bisschen Arachidonsäure vom Typ Omega-6, von deren Notwendigkeit ich nicht überzeugt bin ) die Symptome lindert, die mit Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsdefizit zusammenhängen. Die Kinder, die in dieser Studie untersucht wurden, waren ungefähr zehn Jahre alt.
Man weiß auch, dass die DHA - Zufuhr in der Muttermilch bei Neugeborenen positiv zur Entwicklung des Gehirns beiträgt. So positiv, dass Flaschenmilch jetzt häufig DHA - Zusätze hat.
Es scheint derzeit keine Kontraindikation bei Kindern zu geben. Ich denke aber, es wäre in einer Zeit, in der Kindern immer häufiger Antidepressiva verschrieben werden, sehr dringlich, Studien zu beginnen, die mögliche Nutzfaktoren von Omega-3-Fettsäuren für diese Störungen ( also Depression, Aufmerksamkeitsdefizite und Hyperaktivität ) evaluieren.
Leinsamen
Sie befürworten zur Omega-3-Sättigung die Einnahme von 4 bis 6 Esslöffeln Leinsamenschleim und es scheint , dass einer schon 1.1, also die täglich be¬nö¬tigte Menge, enthält. Wo liegt der Irrtum ?
Leinsamen enthält die pflanzliche Form von Omega- 3, die man Alpha- Linolen-Säure nennt. Die wirkt in den Zellen des Organismus nicht ganz so aktiv wie die tierischen Formen, also DHA und vor allem EPA. Deshalb muss man mehr davon einnehmen.
Muss man die Leinsamen zerkleinern, damit sie wirken ?
Es scheint, dass die Leinsamenkörner ihre Alpha-Linolen-Säure im Organismus schneller freigeben, wenn sie vor dem Verzehr gemahlen werden. So kommt man auch mit weniger aus. Ich weiß nicht, ob man die Lein¬samen¬körner, wenn sie gemahlen sind, im Kühlschrank aufheben muss. Im Zweifelsfall würde ich sie kühl aufbewahren, es kostet ja nichts.
Bis zum nächsten Brief viele Grüsse !
David Servan-Schreiber

